Archiv der Kategorie: Literatur

Kult-Rodeo im zakk

Sonntag, den 9. Juli, 19:00 Uhr, (Einlas 18:30), Biergarten
Wort und Bühne

Die Gesellschaft Deutsch- Griechischer Autor*innen in BRD e.V. ist ein weiteres Mal zu Gast bei zakk und lädt zur Begegnung mit anderen Künsten und Künstler*innen ein. Die griechischen Schriftsteller*innen Deutschlands, die die stereotype Spaltung der Kunst in Literatur, Musik etc. aufheben wollen, arbeiten mit deutsch-griechischen Musiker*innen zusammen und organisieren das erste deutsch-griechische Kult-Rodeo. Weil der Wert des Kunstwerks nicht durch den Massengeschmack der Massenkultur gemessen wird. Weil die Kunst ein Kommunikationsmittel der Menschen ist, die bewusst ihre Ideen und Gefühle zum Ausdruck bringen und Grenzen überwinden wollen.

Eintritt frei

Veranstalter:
Gesellschaft Griechischer AutorInnen in Deutschland e.V. & zakk

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Freiheit und Sprache

Freiheit und Sprache – Eine kleine Einführung zum Werdegang der Neugriechischen Literatur

Niki Eideneier

„Wir wollen Prosa, Prosa!“ Den Schrei des griechischen Gelehrten aus dem 19. Anfang des 20. Jahrhunderts, Jannis Psycharis (1854-1929), hat man seitdem öfter gehört, zuletzt in der deutschen Verlagslandschaft, als es darum ging, bedeutende Werke der Neugriechischen Literatur angesichts der Internationalen Frankfurter Buchmesse 2001, als Griechenland das Gastland war, auch dem deutschen Lesepublikum vorzustellen.
Und die deutschen Verlage, zumindest was den Ertrag der letzten Jahre anging und was sowieso dem Geist unserer Zeit weiterhin entspricht, konnten wirklich aus dem Vollen schöpfen. Was nämlich Psycharis mit seinem Roman „Meine Reise“ (1888) nicht zu schaffen vermochte, hat das halbe 19. Jahrhundert und über seine erste Hälfte hinaus das 20. auch nicht geschafft; eine Prosaproduktion hervorzubringen, die nicht nur qualitätsvoll gewesen wäre, sondern auch ein breite Leserschaft hätte erreichen können. Freiheit und Sprache weiterlesen

Bericht: Auf der Suche nach Heimat – Eleni Delidimitriou-Tsakmaki

Auf der Suche nach Heimat

Eine Veranstaltung der Gesellschaft Griechischer AutorInnen in Deutschland e.V.

Am Sonntag, den 13 März war Eleni Delidimitriou-Tsakmaki zu Gast im Deutsch-Griechischen Literatursalon in Düsseldorf, der mehrmals im Jahr von der Gesellschaft Griechischer AutorInnen in Deutschland e.V. im ZAKK organisiert wird.
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Eleni Delidimitriou-Tsakmaki gehört zur ersten Gastarbeiter- generation, die nach 1960 nach Deutschland kam. Mit ihrem 54 Lebensjahr hat sie zu schreiben begonnen zu einem Zeitpunkt, als ihr Alltag nicht mehr so stark von finanziellen Sorgen und der Familie dominiert wurde. 13 Bücher sind seither erschienen. Sie „schreibe gerade an ihrem letzten“, sagte die Autorin während der Diskussion. Niki Eideneier, ehemalige Verlegerin auch von Eleni Delilidiitriou –Tsakmaki, hatte die Moderation übernommen. Die musikalische Begleitung, fester Bestandteil des Deutsch-Griechischen Literatursalons, lag bei Jorgos Svarnas mit seiner Klarinette.

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Lernt Griechenland durch seine Literatur kennen!

„Lernt Griechenland durch seine Literatur kennen!“

Literarische Beziehungen
Niki Eideneier

29.1.2014

Die deutsch-griechischen Literaturbezieh ungen beginnen nicht erst mit dem von Nikos Kasantzakis 1946 verfassten „Alexis Zorbas“. Einem Roman, der es auch wegen seiner Verfilmung zu weltweitem Ruhm gebracht hat. Dennoch: Die griechische Literatur ist in Deutschland eine schöne Unbekannte geblieben.

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Giorgos Seferis, Nobelpreisträger 1963

Viele deutsche Leser mögen von Nikos Kasantzakis und Konstantinos Kavafis gehört haben, einige vielleicht auch von den Lyrikern und Nobelpreisträgern für Literatur, Jorgos Seferis (1963) und Odysseas Elytis (1979). Möglicherweise haben einige politisch Bewegte, hauptsächlich in der Zeit des Antidiktatorischen Kampfes (1967-1974), sogar den Namen des Dichters Jannis Ritsos gehört, zumal im Zusammenhang mit Mikis Theodorakis, der viele seiner Gedichte vertonte und sie durch Konzerte im deutschsprachigen Raum zu Gehör brachte. Und doch ist die griechische Literatur in Deutschland eine schöne Unbekannte geblieben.

Das Land der Griechen mit der Seele suchen

Das Land der Griechen war im 18. Jahrhundert bereits über drei Jahrhunderte unter dem osmanischen Joch und machte im Ausland ganz den Eindruck, als hätte es sich in dieser Situation einigermaßen eingerichtet. Die mündliche Literatur in Form von exzellenten Volksliedern, die ein wesentlicher Faktor für die Erhaltung und Entwicklung der griechischen Sprache gewesen war, blieb – oftmals durch griechische Gelehrte vermittelt, die im Ausland lebten – zunächst noch ein geheimer Schatz in den Schatullen einiger breit gebildeter französischer Wissenschaftler und deutscher Literaten. Freiherr Werner von Haxthausen (1780-1842) stellte bereits im Jahr 1816 eine erste Sammlung von 50 Liedern zusammen, zeigte einige von ihnen Jakob Grimm und wagte es, darüber an Goethe zu schreiben. Dieser zeigte sich begeistert und versuchte mit Hilfe von Muttersprachlern eine Übersetzung von einigen Perlen dieser Literatur – mit beachtlichem Erfolg, aber ohne breite Wirkung: Die Sammlung Haxthausen blieb unveröffentlicht.

Erst Wilhelm Müller (1794-1827), Gymnasiallehrer und Biblio- thekar in Dessau, der sogenannte Griechenmüller, sammelte, übersetzte und veröffentlichte eine Reihe von vielbeachteten „Griechenliedern“. Er dichtete auch selbst feurige Verse für die Griechen der Zeit: Lasst die alten Tempel stürzen! Klaget um den Marmor nicht,/ Wenn die Hand des blinden Heiden seine schöne Form zerbricht!/ Nicht in Steinen, nicht in Asche wohnt der Geist der alten Welt,/ In den Herzen der Hellenen steht sein königliches Zelt … Fortsetzung fand diese erste Aufmerksamkeit für ein zeitgenössisches Griechenland in der Person des Humanisten und Philologen Carl Iken (1789-1841), der die Antike gründlich studiert hatte, aber unter dem Titel „Leukothea“ 1825 auch eine „Sammlung von Briefen eines geborenen Griechen über Staatswesen, Literatur und Dichtkunst des neueren Griechenlands“ publizierte und in seiner Zeitschrift „Eunomia“ die neugriechische Poesie und Prosa förderte. Nach der Romantik neuer Prägung hielt die Begeisterung der Deutschen für die Antike ununterbrochen an, wie Rüdiger Safranski vor kurzem in „Romantik. Eine deutsche Affäre“ so schön gezeigt hat.

Zwischen den Welten

Auch umgekehrt war das Interesse groß. Dionysios Solomos (1798-1857), Goethes Zeitgenosse und Nationaldichter Griechenlands, entdeckte die deutsche Romantik in italienischer Sprache, und zwar in Gestalt der eigens für ihn angefertigten Übersetzungen seines Freunds N. Lountzis. Solomos schrieb sogar in Anlehnung an Novalis griechische „Fragmente“, welche in Schönheit und Klang seine vollständig ausgearbeiteten Werke weit übertreffen. Die Romantik eines Novalis wird viel später auch Odysseas Elytis in seiner Dichtung thematisieren, der Nobelpreisträger für Literatur 1963 und „romantischste“ unter den Surrealisten Griechenlands.

Nikos Kasantzakis (1883-1957), häufig als „Vater der neugriechischen Literatur“ apostrophiert, studierte in Frankreich bei Henri Bergson Philosophie und eröffnete dann mit seiner Dissertation über Nietzsche von Berlin aus einen gewissen deutsch-griechischen, literarisch-philosophischen Dialog. Kasantzakis schuf, neben der in Zusammenarbeit mit dem Universitätsprofessor Ioannis Th. Kakridis entstandenen Übertragung der Epen Homers ins Neugriechische, seine eigene „Odyssee“ – ein Epos in 33 333 Siebzehnsilbern, das von Gustav A. Conradi kongenial ins Deutsche übertragen worden ist. 1946 verfasste Kasantzakis dann seinen weltberühmten „Alexis Zorbas“, jenen höchst populären Roman, der in seiner deutschen Übersetzung einen ersten Höhepunkt des griechisch-deutschen Literaturaustauschs markiert: Der Roman trägt augenfällig Züge der Philosophie Nietzsches, der für Kasantzakis insbesondere wegen seines unbeugsamen Freigeistes zu einem Vorbild wurde.

Zwischen den Kriegen

Zwischen den beiden Weltkriegen fanden sich einzelne deutsche Kulturvermittler, die neugriechische literarische Produktion nicht nur wahrnahmen, sondern auch ins Deutsche übersetzten, so Karl Dieterich in seiner ersten Anthologie „Neugriechische Lyriker“ (1928). Bereits 1904 hatte der neugriechische Klassiker „Die Päpstin Iohanna“ von Emanuil Roidis erscheinen können, wenn auch um ein Drittel verstümmelt, gefolgt von Alexandros Papadiamandis’ „Der Kirchenscheue“ (1917). Später, im Jahre 1944, erschien eine erste Prosa-Anthologie mit 31 Erzählungen von Papadiamandis bis Kostas Uranis unter dem Titel: „Der Traum auf den Wellen“, besorgt von Alexander Steinmetz.

Der Zweite Weltkrieg bildete indessen eine echte Zäsur in den mühsam angeknüpften Beziehungen der deutsch-griechischen Geisteswelt. Die Zensur der deutschen Besatzer in Griechenland verhinderte jede freie Entfaltung einer originären griechischen Literatur. In dieser Zeit der Unterdrückung trat in Deutschland eine Frau auf den Plan, Isidora Rosenthal-Kamarinea (1918-2004), die sich auf einem neu gegründeten Lehrstuhl für Neugriechische Philologie in Bochum und Marburg durch Übersetzung und Herausgabe einer Fülle von Werken um die zeitgenössische neugriechische Literatur sehr verdient gemacht hat. Später gründete sie die Zeitschrift „Hellenika“, die lange als das Sprachorgan der inzwischen auch erfolgreich gegründeten Deutsch-Griechischen Vereine fungierte. Ein anderer Professor für Byzantinistik in Ostberlin, Johannes Irmscher (1920-2000), sorgte ebenfalls für die Verbreitung neugriechischer Werke, diesmal in der DDR, wobei politische Werke bevorzugt wurden, oder solche, die von politisch verfolgten Autoren verfasst worden waren.

Übersetzungsleistungen

Die Widerstandsliteratur aus der Zeit der Militärdiktatur in Griechenland 1967-1974 wurde unter dem Titel: „Die Exekution des Mythos fand am frühen Morgen statt“, von Danae Coulmas herausgegeben, verdienstvollerweise auch in Deutschland bekannt. Und doch wollte der Durchbruch für die Verbreitung neugriechischer Literatur im deutschsprachigen Raum einfach nicht kommen. Deutsche Verlage blieben zurückhaltend, die Themen seien für den deutschen Buchmarkt zu sehr nach Innen gewandt, zu „graecozentrisch“, zu provinziell. Unvergesslich die Aufforderung des ehemaligen Direktors der Frankfurter Buchmesse an die griechischen Vermittler von Literatur: „Findet euren neuen Kasantzakis!“

Selbst durch die vielen deutschen Touristen, die nach dem Sturz der Junta Griechenland besuchten und die menschlichen Beziehungen zwischen den beiden Völkern enger knüpften, wurde das Wissen in Sachen griechischer Kultur kaum differenzierter. Insofern schien der Gedanke nicht falsch, die programmatische Herausgabe griechischer Bücher in deutscher Sprache könnte dazu beitragen, diese Umstände zu ändern.

Büchermarkt

Der Traum, Griechenland zum Gastland der Internationalen Buchmesse in Frankfurt zu machen, verwirklichte sich erst im Jahre 2001. 2009 wurde im Gegenzug Deutschland zum Gastland der Internationalen Buchmesse von Thessaloniki. In Berlin wurde die Griechische Kulturstiftung gegründet, deren Ziel, griechische Kultur im deutschsprachigen Raum zu fördern, natürlich auch die Literatur mit einschloss. In deutschen Literaturhäusern fanden Übersetzerseminare statt, Übersetzerpreise wurden gestiftet. Griechische Schriftsteller wie Ioanna Karystiani oder Titos Patrikios besuchten Deutschland und deutsche Schriftsteller stellten im Gegenzug in Griechenland die Übersetzungen ihrer Bücher vor: Es war in der Tat ein sehr produktiver Austausch, der 2001 ausgelöst wurde und seither mit jeder Buchmesse neue Impulse erhielt.

Literatur in der Krise

Dann kam die Krise. Und das Bild Griechenlands in der populistischen Presse Deutschlands war an Unwahrheiten und feindseliger Ironie kaum zu überbieten. Entsprechend reagierte auch die griechische Boulevardpresse, die mit gestellten Interviews so viel Porzellan zerschlug, dass man meinen konnte, die konstruktive Zusammenarbeit so vieler Jahre sei mit einer derartigen Medienpolitik unwiderruflich zerstört. „Deutschlandbild durch die Krise stark angekratzt“, meldet entsprechend die deutschsprachige „Griechenland Zeitung“ vom 21. 8. 2013. Die Krise ist den Bemühungen um Literaturtransfers zwischen den beiden Ländern nicht gut bekommen. Die griechischen Titel, die seither in Deutschland erschienen sind, lassen sich an einer Hand abzählen. Deutsche Verlage beschränken ihre Suche, um aktuell und publikumswirksam zu bleiben, nur auf griechische Literatur, die von der Krise handelt, so das Buch von Christos Ikonomou: „Warte nur, es passiert schon was“. Sogar der im deutschen Sprachraum erfolgreichste griechische Krimiautor Petros Markaris hat, um dem Wunsch seines Verlags zu genügen, eine ganze Trilogie zum Thema Krise geliefert.

Selbst heute, in Zeiten einer dramatischen griechischen Wirtschaftskrise, ist es interessant zu beobachten, dass deutsche Autoren einmal mehr Argumente vortragen, welche der Antike verhaftet sind . So z. B. die Rede Martin Walsers, die er anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde an der Wirtschaftswissen- schaftlichen Fakultät der Universität Thessalien in Volos im Mai 2013 Jahres gehalten hat. Bei aller feinsinnigen Bewunderung des „Guten, Wahren und Schönen“ bei den antiken Autoren verlor der Autor kein Wort darüber, inwiefern etwas von diesem fernen Glanz auf die Neugriechen abgestrahlt haben könnte.

The Saturday edition of the German newspaper ‚Sueddeutsche Zeitung‘ dated May 26, 2012 with the poem by German writer Guenter Grass to Greece, lays on a table in Munich (Germany) on May 25, 2012. Nearly two months after his controversial poem about Israel, Grass has written a new poem, entitled ‚The shame of Europe‘, published on May 26, 2012 in the newspaper ‚Sueddeutsche Zeitung‘ in which he accuses the European authorities responsible for austerity policies, for pressing Greece. Photo: Marc Müller dpa/lby/auDie SZ mit dem Griechenland-Gedicht des deutschen Schriftstellers Günter Grass. (© picture-alliance/dpa)
Und als Günter Grass sich kürzlich bemächtigt fühlte, für Griechenland etwas zu tun, schrieb er jenes Gedicht, das ob seiner zweifelhaften Qualität so heftig kritisiert wurde, natürlich auch mit dem obligatorischen Antike-Bezug „Europas Schande“: … Verfluchen im Chor, was eigen Dir ist, werden die Götter,/ deren Olymp zu enteignen Dein Wille verlangt … Keiner der zahlreichen Kritiker aber stellte in Frage, um welches „ewig-gestrige“ Griechenland es dem Nobelpreisträger hier geht. Auf den selben ausgetretenen Pfade wandelte auch Durs Grünbein, der Jüngere, der von seiner Lesereise in Griechenland und den Kontakten mit griechischen Schriftstellern vieles entdeckt und verstanden zu haben vermeinte: … Eule, erleuchte mich, öffne die Augen./ Tier auf der Tetradrachme aus Attika, hilf. Sicherlich haben literarische Zeitschriften wie „Lettre International“ oder „die horen“ sehr sensibel auf die Situation reagiert, zuletzt in dem bemerkenswerten Band „Auf der Suche nach einem verlorenen (Griechen)Land“ (2013); fraglich nur, wer außer den immer schon Aufgeklärten das liest. So bleibt die Aufgabe des „Über-Setzens“ zwischen den Literaturen Griechenlands und Deutschlands ein wichtiges Dauerthema.

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/de/
Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/de/ Autor: Niki Eideneier für bpb.d

Quelle: http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/griechenland/177894/literarische-beziehungen