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Ein literarisches Quartett

Ein literarisches Quartett

Lüdenscheid. Griechisches Essen, griechischer Wein, Tanz und griechische Seele verliehen dem Museums-Café am Samstagabend eine ganz besondere Atmosphäre. Leseabend der Veranstaltungs- reihe: “50 Jahre griechische Migration“

Die Autoren von links: Petros Kyrimis, Elena Pallantza, Alexios Mainas und Michalis Patentalis
Die Autoren von links: Petros Kyrimis, Elena Pallantza, Alexios Mainas und Michalis Patentalis

 Im leider nur kleinen, aber begeisterungsfähigen Publikum auch Museumsleiter Eckhard Trox, der sich, wie alle Gäste, von der Sprachgewalt, Witz und dem feinen Wortsinn der Autoren beein- drucken ließ. Evangelia Kasdanastassi vom Diakonischen Werk begrüßte die Gäste ebenso wie Sophia Georgallidis. Die Übersetzerin, die die Schriftsteller betreut, gab einen kurzen Überblick über die Entwicklung der griechischen Literatur in Deutschland.

Bis auf den Senior des literarischen Quartetts, Petros Kyrimis (1948), sprechen und schreiben alle Autoren Deutsch. Das Urgestein Petros Kyrimis, trotz jahrzehntelangem Deutschland-Aufenthalt immer noch nicht gut Deutsch sprechend und schreibend, ließ Sophia Georgallidis seine deprimierende Kindheitserinnerung „Z wie Zicke” vorlesen. Unbedingt sollte und wollte man dann doch Kyrimis pur hören, „Das Herz der Amsel”.

Tiefe Stimme malt Bilder

Und siehe da: Obwohl viele nicht Griechisch verstanden, malte diese eindrucksvolle tiefe Stimme Bilder im stillen Raum, entdeckte man Landschaften in diesem viel gelebten Gesicht. Eine Meisterin der Sprache ist Elena Pallantza. Erstaunlich das psychologische Einfühlungsvermögen der Lehrerin in der Geschichte „Spuren im Schnee”. „Sterben ist wie Schwitzen” zitiert Alexios Mainas (1976) Jean Paul (damals schwitzend auf Santorin). Dieser junge Dichter aus Bonn wirft in der Geschichte „Phi” einen scharfen und surrealen Blick auf seine Frau Phaedra, das Rätsel. Der Philosoph kann sich nicht verleugnen: Einsam leben in einer Beziehung? Sprachlich direkter, auch surreal, mit Humor und unglaublicher Phantasie geht Michalis Patentalis aus Düsseldorf an seine Geschichten heran. Wohin Vereinsamung führen kann, zeigt die merkwürdige wahre Geschichte von Nick mit dem Spitznamen „Stillgestanden”, der sich im lebenslangen Knast täglich von einem Poster der geliebten Nicole Kidmann regelrecht ernähren lässt. Als Highlight unterhielt Markos Koderisch aus Darmstadt vor und zwischen der Lesung, mit HipHop und Rap, sinnvollen Texten und philosophischen Einsichten. Eine griechische Mutter, deren Sprache er nicht kann, hat der 31-jährige seine Heimat endlich in sich selbst gefunden, aber, er bringt es auf des Lebens Kern: „In dieser Welt ist man nie ganz zu Hause!”

Marlis Denkert

Ouelle: www.derwesten.de