Anna Tastsoglou

Kurzbiographie

anis_tastsAnna Tastsoglou ist 1956 in Kavala, Griechenland geboren und ist mit ihren Eltern nach Deutschland ausgewandert. Lebt in Düsseldorf

Sie lebt seit 50 Jahren in Deutschland und war über viele Jahre beim DGB-Bundesvorstand beschäftigt.

Die letzten Jahre ist sie als Erzieherin bei der Diakonie, Düsseldorf beschäftigt.

Sie schreibt spontan in Deutsch und Griechisch, da sie sich in beiden Sprachen wohl fühlt.

Einige Gedichte von ihr sind in „Deutschland, Deine Griechen…“ , eine Anthologie (zweisprachig), bei Romiosini, Köln 1998

„Ich schreibe.“ in der fotografischen Anthologie von Anna Papoulia, 2001

2. Preis beim Literaturwettbewerb in Volos.
Veröffentlichung in der Ausgabe AMKE „Idiotima kai Mouses“

„Mein Deutschland“ Erzählung in „Gemeinsame Geschichte(n), Teil II, Tragisches und Komisches aus dem Einwanderungsland Deutschland

sowie beim literaturautomat.eu von zakk.


Arbeiten:

1967

Sonntag in Deutschland
Huhn mit Kartoffeln im Backofen
In der Küche hört Mutter
„Hier Radio Budapest“
….Das lachende Kind… *
„Gut, dass ihr keine griechischen Nachbarn habt“
sagte Manolis aus Kreta
Manolis hat keinen griechischen Pass
Er hat griechische Nachbarn

*von Mikis Theodorakis

1967

Κυριακή στην Γερμανία
Κοτόπουλο με πατάτες στο φούρνο
Στην κουζίνα η μαμά ακούει
„Εδώ ραδιοφωνικός σταθμός Βουδαπέστης“
…Το γελαστό παιδί…
“Ευτυχώς δεν έχετε Έλληνες γείτονες”
είπε ο Μανώλης από την Κρήτη
Ο Μανώλης δεν έχει ελληνικό διαβατήριο
Έχει Έλληνες γείτονες

 


ANNA TASTSOGLOU
Mein Deutschland
(Auszug)

gemeinesame_geschichten_llEines Tages, es war morgens, glaube ich, sagte meine Oma, dass Mama weg war und nach Deutschland gefahren ist. Ich kann mich an nichts mehr erinnern. Eine Wand durchtrennte meinen Kopf und löschte diesen Tag aus. Einige Monate später ist auch Papa nach Deutschland ausge-wandert, um dort zu arbeiten. Von einem Augenblick zum nächsten verlor ich beide Eltern und ich fühlte mich wie ein Waisenkind. Ich konnte nicht verstehen, warum meine Eltern mich heimlich verlassen haben. Tja, ich war ja noch ein Kind.
Damals hatten wir kein Telefon im Dorf und die einzige Ver­bindung zu meinen Eltern waren die Briefe aus Deutschland, die mir Opa vorlas. Meine Großeltern waren herzliche Men­schen und haben gut für mich gesorgt. Ich möchte mich nicht beschweren. Aber an manchen Tagen habe ich mich einsam gefühlt und meine Eltern vermisst.

Es war Winter, als sie uns aus Deutschland besuchten. Ich umarmte meine Mutter und blieb auf ihrem Schoß sitzen. Ich würde nicht zulassen, dass sie nochmal wegging. Mit meinem Vater ging ich im Dorf spazieren und meine kleine Hand ver­sank in seiner und ich fühlte mich geborgen. Aber das dauerte nicht lange und ich wurde wieder verletzt, weil ihr Urlaub zu Ende ging und sie nach Deutschland zurückfuhren. Sie hatten mir ein großes Plakat dagelassen, welches die Firma zeigte, in der sie arbeiteten. Darauf waren mehrere Dosen abgebildet, auf denen wiederum Bilder von verschiedenen Sorten Gemüse und Obst waren. Es war Obst und Gemüse, das ich aus unserem Garten kannte. Damals im Dorf waren uns Konserven fremd. Wenn meine Oma für uns kochte, holte sie das Gemüse direkt aus dem Garten. Ich fragte mich, wie es in diesem entfernten Deutschland wohl war. Und warum steckten sie das ganze Gemüse in Dosen? Ich konnte es als Kind nicht verstehen.
Als ich zehn Jahre alt war, kamen meine Eltern nach Griechen­land und brachten diese bunten Bestellkataloge mit. Mit großem Erstaunen sah ich all die Bilder mit den Menschen, die so schöne Kleider trugen. Wo hätte ich solche Kleider in unserem Dorf auch sehen können? Die hübschen Frauengesichter mit dem süßen Lächeln imponierten mir und ich dachte, dass Deutsch­land ein wunderschönes Land mit einem sehr auserwählten Volk sein müsste. Ich war ja noch so jung! Am meisten zogen mich die Katalogseiten mit dem bunten Spielzeug in ihren Bann. Und was für Spielzeug, mein Gott! Noch nicht mal in meinen Träumen hatte ich solch eine Vielfalt von so vielen Spie­len gesehen. Es gab auch Seiten mit Abbildungen von Süßigkei­ten, Bonbons, Schokolade und Keksen, die genau wie Spielzeug Glanz in meine Augen zauberten. Meine Augen wussten nicht, wohin sie zu zuallererst schauen sollten. Spielzeug oder Süßig­keiten. Meine ganze Umgebung roch dann nach Schokolade und Vanille und hüllte mich in die Bonbonfarben Rot, Gelb, Orange und Rosa und die Luft wurde warm und süß. Wenn mich meine Eltern zwischendurch suchen würden und nicht wussten, wo ich zu finden wäre, brauchten sie nichts anderes zu tun, als die Kataloge zu öffnen. Irgendwo zwischen diesen Seiten würde ich verweilen und mit den Puppen spielen oder mir den Mund mit Schokolade vollstopfen.

aus: Gemeinsame Geschichte(n) Bd. 2
siehe auch: Gemeinsame Geschichte(n)