Schlagwort-Archive: Elena Pallantza

Veranstaltung E L E N I – Jiannis Ritsos

E L E N I – Jiannis Ritsos
Szenische Lesung mit Doris Lehner

Einführung: Dr. Elena Pallantza, Universität Bonn

Am Donnerstag, den 26. März, im Euro Theater Central in Bonn
Dreieck-Münsterplatz (Eingang Mauspfad)

Eintritt: Karten 8 € / 6 € (erm.) bei der Abendkasse
(am besten vorher reservieren unter Tel. (0228) 637026 und 652951)

1972 h elenh.tifIn seinem Monolog ELENI, geschrieben 1972 im Exil während des Militärregimes, behandelt der griechische Dichter Jiannis Ritsos den Mythos der schönen Helena, der Frau, die den trojanischen Krieg auslöste und damit für Tod und Leid vieler Menschen verantwortlich war. Die gleichnamige Heldin, das Archetyp der Schönheit, ist hier kaum wieder erkennbar: uralt und hässlich, ausweglos gefangen in einer schmerzhaften Selbstbeobachtung, erzählt sie sich über den Verlust ihrer Schönheit, über die Vergeblichkeit der ruhmvollen Vergangenheit und die niederträchtige, einsame Gegenwart, aber auch über den Wert des Widerstands. Ritsos´ Text ist das Schwanengesang einer sterbenden Muse, die niemandem mehr nützt. Hinter der Maske des Mythos übt er zugleich Kritik an dem politisch-ideologischen Verfall der dichterischen Gegenwart. Und nicht zuletzt liest er sich als Hymne auf die ultimative Würde des Menschen vor dem Tod und dem Verfall mittels der Kunst.

Die erstmalige Übertragung des Textes in die deutsche Sprache ist das gemeinsame Arbeitsprodukt der Gruppe LEXIS, eines Übersetzerkreises von Griechischstudierenden an der Universität Bonn unter der Leitung von Dr. Elena Pallantza.

Bewegt – Εν κινήσει

Bewegt – Εν κινήσει

ΣΥΝΕΝΤΕΥΞΕΙΣ-ΑΡΘΡΑ / INTERVIEWS-ARTIKEL, Elliniki Gnomi,

10 Nov 2010

Das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Griechenland wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Es wurde am 30. März 1960 unterschrieben und brachte eine große Welle von ›griechischen Gastarbeitern‹ nach Deutschland. Aus diesem Anlass, stellt die Gesellschaft der Griechischen AutorInnen in Deutschland e.V. als Herausgeber einer Anthologie ihre Mitglieder mit Kurz- geschichten vor.
Die AutorInnen, beschreiben in ihren Kurzgeschichten Formen und Auswirkungen von kollektivem, menschlichem Zusammenleben, angetrieben von brennenden Gefühlen, die als immerwährende Bewegung empfunden werden. Mit unterschiedlichen sprachlichen Mitteln, Surreale Texten, alltägliche Begebenheiten, Begegnungen und Erlebnisausschnitte, charakterisieren, kritisieren oder porträtieren – die ehemalige ›griechische Gastarbeiter‹ aus der ersten und zweiten Generation – 50 Jahre danach eine Moment- aufnahme des Seins, durch die Literatur.
›Bewegt‹ ist der Titel des Buches, der als zweisprachige Ausgabe, im Oktober 2010 beim Größenwahn Verlag Frankfurt am Main erscheint und soll als Beweismittel dienen für die Leichtigkeit und gleichermaßen Schwierigkeit des Selbst-Integrationsprozesses in eine Gesellschaft mit unterschiedlichen Kulturen.
Inhalt:
Mit dem Gedicht May Papoulias »… es sind Menschen gekommen«, der Ehefrau des griechischen Staatspräsidenten, dem Vorwort Michalis Patentalis, Vorsitzender der Gesellschaft und das Requiem für eine ganze Generation, von Niki Eideneier, Verlegerin des Romiosini Verlags, beginnt die Anthologie der Gesellschaft der Griechischen AutorInnen in Deutschland e.V. um mit den Kurzgeschichten der Mitglieder fort zu fahren:
Thalia Andronis beschreibt in ihrem surrealen Beitrag wie Island in den Schoß eines zwölf jährigen Mädchen fällt und Brigitte Münch beschäftigt sich in »Warten auf Äsop« mit dem Problem ›Umfeld wechseln‹, das ein neues Denken und Flexibilität erfordert.
»Eine heldenhafte Nacht« von Petros Kyrimis verweist, in authentische Sprache durch das Nachtleben Athens, auf Aspekte des griechischen alltäglichen Lebens. Auch der sozialkritische Beitrag von Elena Pallantza zitiert die nackte Wahrheit einer Familie in »Spuren im Schnee«. Der Ausdruck der Gefühle und die Auseinandersetzungsart in eine jugendliche Beziehung zentriert die Kurzgeschichte von Alexios Mainas mit dem rätselhaftem Titel »Φ« wie Phedra. Giorgos Krommidas Titel »Nichts geht mehr« wird für eine akademische Beziehung Wortwörtlich zum ›Rien ne va plus‹, als diese durch herrschende Sucht zusammenbricht. Das postmoderne »Stillgestanden«, so der Beitrag von Michalis Patentalis, ist eine andere Art Beschreibung der menschlichen Schwäche, die zwischen der Schauspielerin Nikol Kidman und einem Gefangenem erzählt wird. Loukia Stefou wählt in ihrem Beitrag das berühmte Stuck John Cage´s »4:33´ Musik der Stille« um die Psychologie des Hörers zu erläutern.
Das ›Wort‹ spielt eine entscheidende Rolle in Kyro Ponte´s Kurzgeschichte »Die Anemonen«, bis zum Selbsterkennung, dass das einzige Prinzip, das der menschliche Geist erfassen kann, sich nicht im Himmel, sondern in der schaffenden Natur befindet. Mit der Vergänglichkeit des Glaubens und die dadurch entstehenden Fingerabdrücke, die durch eine realistische Art ausgelöscht werden, beschäftigt sich Elsa Korneti in ihrem Beitrag »Die Weihgabe« und Giorgos Valasiadis beschreibt mit Istanbuler Flair in seiner autobiografische Erzählung »Georg der Glocken-Heilige« über den kämpferischen Mensch, der seine Individualität zu beweisen versucht.
Dimitrios Nollas, einer der bekanntester Schriftsteller Griechenlands und Ehrenmitglied der Gesellschaft der Griechischen Autorinnen in Deutschland e.V. beschreibt in »Mantzikert« die Selbstdarstellung eines Türkens vorm Gericht, nach dem er seine Deutsche Frau getötet hat. Eleni Torosi´s Beitrag handelt vom einen dreizehn jährigen Jungen der eine Wunderbare Begegnung mit dem Trainer der Griechischer Fußball-Nationalmannschaft hat, Otto Rehhagel, und somit gerecht den kunstvollen Titel »Rehagellismen« trägt. Sevastos P. Sampsounis schildert in »Hier kommst du nicht durch, Maria« die Stationen einer Gastarbeiter-Frau, die durch drei Generationen sich erstrecken, mit allen Nachwirkungen und Problematik der Emigration.

Buchvorstellung – Neuerscheinung.
Bewegt – Εν κινήσει.
17 Kurzgeschichten, Deutsch und Griechisch.
Sevastos P. Sampsounis & Gesellschaft der
Griechischen AutorInnen in Deutschland e.V.
312 Seiten, Verlagspreis: 16,90 €
Erscheinungsdatum: 6. Oktober 2010
ISBN: 978-3-942223-02-7
www.groessenwahn-verlag.de

Ein literarisches Quartett

Ein literarisches Quartett

Lüdenscheid. Griechisches Essen, griechischer Wein, Tanz und griechische Seele verliehen dem Museums-Café am Samstagabend eine ganz besondere Atmosphäre. Leseabend der Veranstaltungs- reihe: “50 Jahre griechische Migration“

Die Autoren von links: Petros Kyrimis, Elena Pallantza, Alexios Mainas und Michalis Patentalis
Die Autoren von links: Petros Kyrimis, Elena Pallantza, Alexios Mainas und Michalis Patentalis

 Im leider nur kleinen, aber begeisterungsfähigen Publikum auch Museumsleiter Eckhard Trox, der sich, wie alle Gäste, von der Sprachgewalt, Witz und dem feinen Wortsinn der Autoren beein- drucken ließ. Evangelia Kasdanastassi vom Diakonischen Werk begrüßte die Gäste ebenso wie Sophia Georgallidis. Die Übersetzerin, die die Schriftsteller betreut, gab einen kurzen Überblick über die Entwicklung der griechischen Literatur in Deutschland.

Bis auf den Senior des literarischen Quartetts, Petros Kyrimis (1948), sprechen und schreiben alle Autoren Deutsch. Das Urgestein Petros Kyrimis, trotz jahrzehntelangem Deutschland-Aufenthalt immer noch nicht gut Deutsch sprechend und schreibend, ließ Sophia Georgallidis seine deprimierende Kindheitserinnerung „Z wie Zicke” vorlesen. Unbedingt sollte und wollte man dann doch Kyrimis pur hören, „Das Herz der Amsel”.

Tiefe Stimme malt Bilder

Und siehe da: Obwohl viele nicht Griechisch verstanden, malte diese eindrucksvolle tiefe Stimme Bilder im stillen Raum, entdeckte man Landschaften in diesem viel gelebten Gesicht. Eine Meisterin der Sprache ist Elena Pallantza. Erstaunlich das psychologische Einfühlungsvermögen der Lehrerin in der Geschichte „Spuren im Schnee”. „Sterben ist wie Schwitzen” zitiert Alexios Mainas (1976) Jean Paul (damals schwitzend auf Santorin). Dieser junge Dichter aus Bonn wirft in der Geschichte „Phi” einen scharfen und surrealen Blick auf seine Frau Phaedra, das Rätsel. Der Philosoph kann sich nicht verleugnen: Einsam leben in einer Beziehung? Sprachlich direkter, auch surreal, mit Humor und unglaublicher Phantasie geht Michalis Patentalis aus Düsseldorf an seine Geschichten heran. Wohin Vereinsamung führen kann, zeigt die merkwürdige wahre Geschichte von Nick mit dem Spitznamen „Stillgestanden”, der sich im lebenslangen Knast täglich von einem Poster der geliebten Nicole Kidmann regelrecht ernähren lässt. Als Highlight unterhielt Markos Koderisch aus Darmstadt vor und zwischen der Lesung, mit HipHop und Rap, sinnvollen Texten und philosophischen Einsichten. Eine griechische Mutter, deren Sprache er nicht kann, hat der 31-jährige seine Heimat endlich in sich selbst gefunden, aber, er bringt es auf des Lebens Kern: „In dieser Welt ist man nie ganz zu Hause!”

Marlis Denkert

Ouelle: www.derwesten.de